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        ZUM MENÜ

        Es gehört zu den großen Sehnsüchten des Menschen: sich selbst erkennen. Wer bin ich wirklich? Was ist meine Bestimmung? Oft suchen wir die Antwort im Vergleich mit anderen oder in den Erwartungen, die an uns herangetragen werden. Und nicht selten kommen wir dabei zu einem ernüchternden Urteil: Ich bin nicht genug.

        Doch der Theologe Jörg Zink schreibt:

        „Wir erfassen, wer wir sind, nur, wenn wir von uns selbst nicht weniger halten, als Gott von uns hält. Denn das Elend des Menschen rührt nicht daher, dass er zu groß von sich denkt, sondern daher, dass er sich zu klein empfindet.“

        Diese Worte sind wie ein Gegengewicht zu all den Stimmen, die uns klein machen wollen.

        Warum wir uns oft kleiner machen, als wir sind

        Die Psychologie weiß: Ein gesundes Selbstwertgefühl ist entscheidend für unser Leben. Der Psychologe Carl Rogers betonte, dass Menschen nur dann ihr volles Potenzial entfalten können, wenn sie eine „bedingungslose positive Beachtung“ erfahren – also das Gefühl, wertvoll und liebenswert zu sein, unabhängig von Leistung oder Fehlern.

        Doch viele von uns haben gelernt, Liebe und Anerkennung an Bedingungen zu knüpfen: Ich bin nur etwas wert, wenn ich etwas leiste. Wenn ich erfolgreich bin. Wenn ich allen Erwartungen entspreche.

        Viktor Frankl sah die tiefste Sehnsucht des Menschen im Finden eines Sinns. Wo wir keinen Sinn sehen, verfallen wir leicht in Resignation oder Selbstentwertung. Und James Hillman sprach davon, dass jeder Mensch mit einer inneren „Seelenanlage“ geboren wird – einer Lebensaufgabe, die er entfalten darf.

        Das Problem ist also selten, dass wir „zu groß“ von uns denken. Das eigentliche Leid liegt darin, dass wir unsere wahre Würde, unser inneres Licht, nicht sehen – oder es unterdrücken.

        Biblische Würde: Ebenbild Gottes

        Die Bibel erzählt von einem Gott, der uns mit einer erstaunlichen Würde geschaffen hat:

        • „Und Gott schuf den Menschen als sein Bild.“ (Genesis 1,27)
        • „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt.“ (Psalm 8,6)

        Das sind keine Übertreibungen, sondern Grundwahrheiten: Wir sind nicht klein gedacht, sondern als Ebenbild Gottes geschaffen.

        Jesus greift dieses Bild auf, wenn er in der Bergpredigt sagt:
        „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.“ (Matthäus 5,15).

        Wir sind dazu berufen, Licht zu sein. Dieses Licht ist nicht unser eigener Glanz, sondern Gottes Liebe und Gaben, die in uns wohnen.

        Wahre Größe ist Dankbarkeit

        Jörg Zink schreibt: „Wer wirklich groß von sich denkt, braucht sich nicht zu blähen. Er steht auf der Erde und berührt mit der Stirn den Himmel und dankt für das ungeheure Geschenk einer solchen Bestimmung.“

        Wahre Größe führt also nicht zu Arroganz, sondern zu Dankbarkeit. Wir müssen uns nicht aufblasen, wenn wir wissen: Unsere Würde ist ein Geschenk.

        Das Bild vom „Stehen auf der Erde“ zeigt: Wir sind geerdet, realistisch, verwurzelt. Und das „Berühren des Himmels“ beschreibt: Wir sind verbunden mit Gott, der Quelle unseres Lebens. Es ist genau dieses Gleichgewicht, das uns trägt.

        Dein Licht leuchten lassen

        Hier liegt die Einladung für uns alle: Lass dein Licht leuchten.

        Das bedeutet nicht, perfekt zu sein oder sich in den Vordergrund zu drängen. Es heißt vielmehr: das, was Gott in dich hineingelegt hat, nicht zu verstecken. Deine Begabungen, deine Stimme, deine Wärme, deine Freude – all das darf sichtbar werden.

        Psychologisch gesprochen: Wir leben heil, wenn wir unser wahres Selbst leben und nicht nur die Erwartungen anderer erfüllen.
        Biblisch gesprochen: Wir sind Salz der Erde und Licht der Welt (Mt 5,13–14). Unser Licht ist nicht für uns allein bestimmt, sondern es soll anderen Orientierung, Wärme und Hoffnung schenken.

        Wenn wir unser Licht nicht unter den Scheffel stellen, dann geschieht zweierlei:

        • Wir selbst werden heil. Wir leben im Einklang mit dem, was Gott in uns hineingelegt hat.
        • Andere werden ermutigt. Dein Licht erhellt den Raum für die Menschen um dich herum – manchmal leiser, manchmal stärker, aber immer segensreich.

        Eine geistliche Übung

        Vielleicht magst du dir in der kommenden Woche einmal Zeit nehmen, um über dein inneres Licht nachzudenken:

        • Welche Gaben und Stärken erkenne ich in mir?
        • Wo habe ich mich kleiner gemacht, als Gott mich gedacht hat?
        • Wie könnte ich im Alltag einen kleinen Schritt tun, damit mein Licht sichtbarer wird – für meine Familie, meine Gemeinde, meinen Arbeitsplatz?

        Und vielleicht kannst du dir dabei Jesu Worte zusprechen lassen: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Matthäus 5,14)

        Schlussgedanke

        Nicht kleiner, als Gott uns gedacht hat – so dürfen wir leben. Verwurzelt auf der Erde, verbunden mit dem Himmel. Mit einem Herzen voller Dankbarkeit. Mit einem Licht, das nicht erlöschen soll.

        Mögen wir uns nicht fürchten, dieses Licht leuchten zu lassen. Denn es ist Gottes Geschenk in uns – und die Welt braucht es.

        Gesprächsangebot

        Vielleicht hast du beim Lesen gespürt, dass diese Gedanken etwas in dir berühren – Fragen nach deinem eigenen Wert, deiner Berufung oder deinem inneren Licht. Wenn du darüber sprechen möchtest oder Begleitung suchst, dann melde dich gerne. Gemeinsam können wir entdecken, wie Gott dich sieht und welche Schätze er in dein Leben gelegt hat.

        Über Ernest Heinlein

        Klar in der Sprache, neugierig im Denken – Ernest liebt Gegensätze. Als Controller steuert er internationale Standorte im Automobilsektor, als Coach begleitet er Menschen mit Feingefühl und Tiefgang.

        Ob Excel-Tabelle oder Seelenlandschaft, ob Gartenschaufel oder Gesellschaftsanalyse – Ernest verbindet Struktur mit Kreativität, Nachdenklichkeit mit Optimismus.

        Er lebt mit Herz, Verstand und Humor – in Familie, Beruf, als Coach und als Teil der Gemeindeleitung der Evangelischen Gemeinschaft. Begeistert von Gott und den Menschen, bringt er Ideen und Herzen in Bewegung.

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