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        ZUM MENÜ

        Wir leben in einer Welt, in der „beschäftigt sein“ als Ausweis von Wichtigkeit gilt. Kaum jemand gibt gerne zu, Zeit zu haben – denn wer gefragt wird, wie es geht, antwortet fast reflexartig: „Stressig, viel zu tun.“ Dazu kommen die ständigen Benachrichtigungen auf dem Handy, die uns überallhin begleiten. Wir sind online, erreichbar, „vernetzt“ – und verlieren dabei oft das Wichtigste: die echte Verbindung zu uns selbst, zu anderen Menschen und zu Gott.

        Psychologie: Warum Gegenwärtigkeit so wichtig ist

        Psychologen wissen schon lange: Es ist heilsam, im Moment präsent zu sein.

        In der Achtsamkeitsforschung (Mindfulness) wird gezeigt, dass Menschen, die bewusst im Hier und Jetzt leben, weniger unter Stress leiden und mehr Lebensfreude empfinden.

        Die Körperpsychologie betont: Gefühle drücken sich im Körper aus. Wer ständig im Kopf ist, überhört die Signale seines Körpers – Verspannungen, Müdigkeit, Herzklopfen – und verliert den Zugang zu seinen eigenen Bedürfnissen.

        Bindungsforschung zeigt: Kinder brauchen nicht in erster Linie ständige Erreichbarkeit, sondern wirkliche Nähe – jemanden, der sie in den Arm nimmt, spürbar da ist. Das gilt übrigens nicht nur für Kinder, sondern für alle Beziehungen.

        Carl Rogers, ein bekannter Psychologe, sprach von „Kongruenz“: Der Mensch wächst dort, wo er Echtheit und Präsenz erlebt. Mit anderen Worten: Wir sehnen uns nach Menschen, die nicht nur körperlich im Raum stehen, sondern wirklich da sind – mit Herz, Geist und Körper.

        Die Bibel: Gott als der „Ich bin da“

        In der Bibel begegnet uns Gott im brennenden Dornbusch (2. Mose 3,14) mit den Worten: „Ich bin, der ich bin“ – oder auch: „Ich bin da.“ Das ist Gottes Wesen. Er ist kein ferner Gott, der irgendwo abgehoben über uns schwebt, sondern ein gegenwärtiger Gott.

        Und dann wird dieses „Ich bin da“ in Jesus Christus Fleisch und Blut.

        • Jesus ließ sich berühren.
        • Er nahm Kinder in den Arm.
        • Er legte Menschen die Hände auf.
        • Seine Nähe war nicht abstrakt oder intellektuell, sondern körperlich spürbar.

        Wenn wir also fragen: Wie kann ich Gott erleben? – dann ist die Antwort oft erstaunlich einfach: Indem ich lerne, selbst im Jetzt da zu sein. Gott ist im Jetzt – aber wir sind häufig mit Gedanken in der Vergangenheit („Hätte ich doch…“) oder Zukunft („Was, wenn…?“). Kein Wunder, dass wir Ihn so oft verpassen.

        Online sein vs. wirklich da sein

        Wir sind eine Generation, die mehr „vernetzt“ ist als je zuvor. Unsere Handys vibrieren, Nachrichten blinken, E-Mails warten. Wir leben in einer Dauer-Erreichbarkeit, die uns das Gefühl gibt, wichtig zu sein. Aber während wir auf diese Weise ständig „online“ sind, werden wir innerlich immer weniger offline präsent:

        • Mitten im Gespräch schweift der Blick zum Bildschirm.
        • Beim Spielen mit den Kindern kreisen die Gedanken schon um die nächste Aufgabe.
        • Beim Gebet taucht im Kopf sofort die To-do-Liste auf.

        Das Paradoxe: Wir sind verfügbar für alle – und gleichzeitig für niemanden wirklich da.

        Eine Einladung: Körperlich und geistlich präsent sein

        Dein Körper ist nicht nur ein Anhängsel – du bist dein Körper. Er zeigt dir, wie es dir wirklich geht. Spürst du die Müdigkeit? Den Druck? Oder auch die Freude, die Wärme einer Umarmung?

        Je mehr du in deinem Körper „wohnst“, desto mehr bist du berührbar – für dich selbst, für andere und für Gott.

        Vielleicht fragst du dich: Wann habe ich das letzte Mal wirklich ganz im Moment gelebt – ohne Handy, ohne Ablenkung, ohne Gedankenflucht? Wann habe ich einem Menschen in die Augen gesehen, ohne nebenbei etwas anderes zu tun? Wann habe ich im Gebet einfach still dagelegen und gespürt: Gott ist da – und ich bin es auch?

        Ein geistlicher Übungsweg

        • Atem holen: Nimm dir täglich ein paar Minuten, um bewusst zu atmen. Spüre, wie dein Körper da ist.
        • Offline-Zeiten: Lege dein Handy beiseite, wenn du mit Menschen sprichst, besonders mit Kindern. Präsenz ist wichtiger als Erreichbarkeit.
        • Gebet der Gegenwart: Sage Gott im Stillen: „Hier bin ich.“ Und höre: „Ich bin da.“
        • Berührung zulassen: Nimm Menschen bewusst in den Arm, lege eine Hand auf, sei körperlich anwesend.

        Fazit

        Psychologie und Bibel sind sich erstaunlich einig: Das Leben findet im Jetzt statt.

        Die Psychologie sagt: Gegenwärtigkeit macht gesund.

        Die Bibel sagt: Gott ist im Jetzt.

        Vielleicht ist das die größte geistliche und menschliche Herausforderung unserer Zeit: In einer Welt, die ständig „online“ ist, zu lernen, wirklich da zu sein. Mit Körper, Seele und Geist.

        Denn Gott sagt nicht: „Ich war da“ oder „Ich werde da sein“ – sondern: „Ich bin da.“

        Über Ernest Heinlein

        Klar in der Sprache, neugierig im Denken – Ernest liebt Gegensätze. Als Controller steuert er internationale Standorte im Automobilsektor, als Coach begleitet er Menschen mit Feingefühl und Tiefgang.

        Ob Excel-Tabelle oder Seelenlandschaft, ob Gartenschaufel oder Gesellschaftsanalyse – Ernest verbindet Struktur mit Kreativität, Nachdenklichkeit mit Optimismus.

        Er lebt mit Herz, Verstand und Humor – in Familie, Beruf, als Coach und als Teil der Gemeindeleitung der Evangelischen Gemeinschaft. Begeistert von Gott und den Menschen, bringt er Ideen und Herzen in Bewegung.

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