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        Manche Sätze aus der Bibel wirken wie ein leiser Ruf, der sich nicht aufdrängt und doch bleibt. Die Jahreslosung 2026 aus der Offenbarung 21 Vers 5 gehört dazu:

        „Siehe, ich mache alles neu.“

        Kein lautes Versprechen. Kein schneller Trost. Sondern ein Satz, der Zeit braucht – und Raum. Ein Satz, der nicht vor dem Leben flieht, sondern mitten hinein spricht.

        Ein Wort von Gott selbst

        Diese Worte stammen nicht von einem Engel, nicht von einem Propheten, sondern von Gott selbst. In der Offenbarung des Johannes heißt es: „Der auf dem Thron sitzt, sprach …“. Am Ende aller Visionen von Gewalt, Chaos und Leid spricht Gott selbst – und sagt nicht: Ich erkläre alles neu, sondern: Ich mache alles neu.

        Das ist entscheidend. Denn dieses Wort ist kein Kommentar zur Welt, sondern ein schöpferischer Akt. Es ist ein Wort, das Wirklichkeit schafft.

        Neu – aber anders, als wir denken

        Im ursprünglichen Griechisch steht hier nicht das Wort für „neu im Sinne von ganz frisch“, sondern ein anderes: kainós. Es meint nicht das, was das Alte ersetzt, sondern das, was verwandelt wird. Gott sagt also nicht: Ich werfe alles weg und beginne von vorne.

        Sondern: Ich nehme das, was da ist – mit all seinen Brüchen – und führe es in eine neue Qualität des Lebens.

        Das ist eine tiefe, tröstliche Hoffnung. Denn sie sagt: Nichts muss ausgelöscht werden, um heil zu werden. Auch nicht unsere Geschichte. Auch nicht unsere Verletzungen.

        „Siehe!“ – Ein Ruf in die Gegenwart

        Der Satz beginnt mit einem kleinen, aber kraftvollen Wort: „Siehe!“ Es bedeutet: Achte darauf. Schau hin. Sei gegenwärtig.

        In der Bibel markiert dieses Wort oft einen besonderen Moment – einen Kairos. Das ist kein Zeitpunkt im Kalender, sondern ein erfüllter Augenblick. Ein Moment, in dem etwas Wesentliches möglich wird.

        Die Jahreslosung spricht also nicht nur von einer fernen Zukunft. Sie lädt ein, das Neue Gottes schon jetzt wahrzunehmen – mitten im Unfertigen.

        Gottes Nähe statt distanzierter Herrlichkeit

        Auffällig ist: Die Offenbarung beschreibt die neue Welt nicht als einen glänzenden Himmel fern von uns. Im Gegenteil: Gott wohnt mitten unter den Menschen.

        Es heißt sogar: Es gibt keinen Tempel mehr – weil Gott selbst gegenwärtig ist. Keine heilige Zone mehr, kein „dort ist Gott und hier nicht“. Gott ist da. Wohnend. Bleibend. Nah.

        Die Bibel nennt das „Zelten Gottes bei den Menschen“. Gottes Herrlichkeit zeigt sich hier nicht als überwältigender Glanz, sondern als heilende Nähe.

        Eine Hoffnung, die das Leid ernst nimmt

        „Ich mache alles neu“ bedeutet nicht, dass Leid einfach verschwindet. Die Bibel ist ehrlich genug zu sagen: Der Weg der Erneuerung führt oft durch die Zerbrechlichkeit hindurch.

        Der Apostel Paulus spricht von seiner eigenen Verwundung und hört Gottes Antwort: „Meine Gnade genügt dir. Meine Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung.“

        Das Neue Gottes wächst nicht dort, wo alles perfekt ist, sondern dort, wo Menschen sich dem Leben – und Gott – ehrlich aussetzen.

        Die Welt bleibt Gottes geliebte Welt

        Diese Hoffnung gilt nicht nur einzelnen Seelen. Sie gilt der ganzen Schöpfung. Wenn Gott „alles neu macht“, dann gibt er diese Welt nicht auf. Schöpfung wird nicht entsorgt, sondern geheilt.

        Darum ist der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Erde kein Zusatz zum Glauben, sondern Ausdruck davon. Wer hofft, lebt anders – achtsamer, verantwortlicher, solidarischer.

        Gemeinde als Ort des Neuen

        Auch Kirche ist eingeladen, sich von diesem Wort erneuern zu lassen. Nicht im Sinn von Perfektion oder Selbstoptimierung, sondern als Raum der Verwandlung. Gemeinde darf ein Ort sein,

        • an dem niemand fertig sein muss,
        • an dem Schuld benannt und vergeben werden kann,
        • an dem Menschen neu anfangen dürfen.

        Gnade ist der Kraftstoff der Gemeinschaft. Nicht Leistung. Nicht Makellosigkeit.

        Zwischen Jetzt und Vollendung

        Wir leben zwischen dem, was Gott begonnen hat, und dem, was er vollenden wird. Diese Spannung bleibt. Aber sie ist kein Mangel – sie ist der Raum des Glaubens. Am Ende steht nicht unsere Fähigkeit, alles richtig zu machen, sondern Gottes Zusage:

        • Er wird die Tränen abwischen.
        • Er wird heilen, was zerbrochen ist.
        • Er wird vollenden, was unvollendet blieb.

        „Siehe, ich mache alles neu.“

        Das ist kein fernes Versprechen. Es ist eine Einladung, heute zu vertrauen. Heute hinzusehen. Heute einen Schritt zu gehen. Still. Mutig. Und getragen von einer Hoffnung, die bleibt.

        Über Ernest Heinlein

        Klar in der Sprache, neugierig im Denken – Ernest liebt Gegensätze. Als Controller steuert er internationale Standorte im Automobilsektor, als Coach begleitet er Menschen mit Feingefühl und Tiefgang.

        Ob Excel-Tabelle oder Seelenlandschaft, ob Gartenschaufel oder Gesellschaftsanalyse – Ernest verbindet Struktur mit Kreativität, Nachdenklichkeit mit Optimismus.

        Er lebt mit Herz, Verstand und Humor – in Familie, Beruf, als Coach und als Teil der Gemeindeleitung der Evangelischen Gemeinschaft. Begeistert von Gott und den Menschen, bringt er Ideen und Herzen in Bewegung.

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